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Kurzer Erfahrungsbericht
#1
Hallo zusammen,

ich habe vor ca. 2 1/2 Monaten das Auswahlverfahren für die Ausbildung zum Fluglotsen bestanden. Im Januar beginne ich voraussichtlich mit der Ausbildung in Langen.
Ich möchte hier gar nicht so genau auf die einzelnen Tests eingehen, da das andere bereits unglaublich gut und ausführlich gemacht haben (siehe fluglotse.com Forum). Vielmehr möchte ich euch die Möglichkeit geben, noch offene Fragen zu stellen und euch dabei helfen, das Auswahlverfahren ebenfalls zu bestehen. Ich habe mich mit dem Beruf wirklich sehr intensiv auseinander gesetzt und hoffe, ein paar gute Antworten geben zu können.

Zum Zeitpunkt der Bewerbung (Ende April 2018) war ich in meinem letzten Semester Wirtschaftsinformatik (im Moment schreibe ich noch meine Bachelorarbeit, bin also fast fertig  Wink  ).  Nur wenige Tage später kam per Mail die Bitte, einen biografischen Fragebogen auszufüllen. Knapp 6 Tage später wurde ich dann bereits nach Hamburg für die Voruntersuchung (VU) eingeladen. Hierfür wurden mir 3 Termine angeboten, wobei der erste nur 1 oder 2 Wochen später gewesen wäre. Aufgrund anderer Termine und meines Studiums habe ich mich für den letzten entschieden. Dieser war dann am 6. und 7. Juni. Von den ca. 50-60 Anwesenden am ersten Tag durften am nächsten Morgen nur 13 bleiben. Alle anderen mussten leider abreisen. Leider weiß ich nicht, wie viele genau von den 13 dann zur Hauptuntersuchung (HU) eingeladen wurden, da wir das Ergebnis ca. eine Woche später per Mail erhalten haben und sich aus meiner Gruppe niemand für meinen HU Termin entschieden hat. Ich weiß lediglich von 4 anderen VUlern, von denen 3 zur HU eingeladen wurden, aber leider alle dort ausgeschieden sind.
Ich war dann in der Woche vom 01. Juli zum zweiten Mal in Hamburg. 3 der 9 Anwesenden mussten nach dem ersten Tag die Heimreise antreten, 3 weitere nach den Interviews. Einer ist leider ganz bitter bei der medizinischen Untersuchung aufgrund seiner Augen ausgeschieden. Neben mir hat es noch eine weitere Bewerberin geschafft.

Ich weiß, dass das sich erstmal heftig anhört. Dass bei so vielen Bewerbern nur so wenige wirklich den gesamten Auswahlprozess bestehen, kann besorgniserregend sein, aber denkt dran, dass es sich hier nur um eine Stichprobe handelt. Ich habe von anderen Gruppen gehört, bei denen deutlich mehr durchgekommen sind. Insgesamt muss man sowieso bedenken, dass die DFS keine Quote vorgibt. Also es wird nie heißen "Höchstens 5 % der Bewerber bekommen einen Ausbildungsplatz". Jeder der die  Anforderungen der Flugsicherung erfüllt, wird auch genommen. Die Regel für das Weiterkommen lautet: Man muss in jedem einzelnen Test mindestens so gut sein, wie der Durchschnitt aller Bewerber, die den Test jemals gemacht haben. Das bedeutet in der Realität, dass eben kein Ausnahmekönner gesucht wird, sondern man nur seine Fähigkeiten in den richtigen Bereichen haben muss. Ich denke der folgende Satz trifft es ganz gut: "Ein Jahrgangsbester von Harvard ist nicht automatisch ein guter Fluglotse, so wie ein ausgezeichneter Fluglotse nicht unbedingt das beste Studium abliefern würde".

So das war ein kurzer (statistischer) Überblick über meine Bewerbungsphase. Ich hatte selbst zahllose offene Fragen bevor ich nach Hamburg bin und war jedem, der bereit war seine Erfahrungen zu teilen, unglaublich dankbar. Deshalb möchte ich der nächsten Runde Bewerben, die gleiche Hilfe zukommen lassen. Also falls es etwas gibt, was ihr noch wissen wollt, zögert bitte nicht hier unter diesem Post oder per Privatnachricht zu fragen!  Smile 
Falls es um die Ausbildung oder den Beruf selbst geht, habe ich zwar auch einiges an Informationen parat, aber das basiert weitgehend nur auf dem was ich von anderen gehört habe und ist somit mit Vorsicht zu genießen.


Viele Grüße
Henrik
#2
Glückwunsch erstmal. Wie waren denn deine Mathe/Englisch Noten im Abitur ? Würde mich auf jeden Fall interessieren :)
#3
Vielen Dank!

Mathe hatte ich als Grundkurs belegt mit Noten zwischen 10 und 15 Punkten.

Englisch hatte ich als Leistungskurs. Meine Noten lagen dabei im Schnitt zwischen 10-11 Punkten.

Die mündliche Englischprüfung beim Auswahlverfahren ist auch wirklich machbar und meiner Meinung nach einer der einfachsten Tests. Man bekommt eine Art Zeitungsartikel vorgelegt, den man in Ruhe lesen kann und anschließend einmal vorlesen und dann frei nacherzählen soll. Zum Schluss findet noch eine kurze englische Konversation statt, aber alles ganz locker. Der Text ist auch einfach geschrieben und handelt in der Regel von Alltagsthemen. Es ist also keine Fachliteratur.

Mein Abi Schnitt war insgesamt 2,1, aber macht euch keine Gedanken, falls euer Schnitt schlechter ist. Ich habe sehr viele getroffen, die zur Voruntersuchung mit einem 3er Schnitt eingeladen wurden. Die Noten finden zwar Beachtung, aber wenn eure Leistungen bei den ganzen Tests in Hamburg zufriedenstellend sind, ist das eher zweitrangig. Es kann natürlich sein, dass da im Interview nachgehakt wird, warum die Noten denn nicht besser waren, aber dort wird generell nach Schwächen gesucht, um zu schauen wie ihr damit umgeht.

Physik hatte ich seit der 10. Klasse gar nicht mehr.

Ich hoffe das hat weiter geholfen :)
#4
Hi Henrik!
Toller Bericht! Kurz zu mir: Ich bin derzeit in der 11ten Klasse auf einem Gymnasium in Bayern und mache nächstes Schuljahr (2019/2020) mein Abitur. Ich interessiere mich schon länger sehr für den Beruf des Fluglotsen.
Nun, theoretisch könnte ich mich ja ab Ende dieses Schuljahres für die Ausbildung bewerben. Mein Frage(n): Wie genau hast du dich auf das Auswahlverfahren vorbereitet? Wie intensiv? Und was hälst du von solchen Trainingssoftwares für die Einstellungstests? Ich weiß, dass die DFS selbst diese nicht empfiehlt.
Über eine Antwort würde ich mich freuen! Smile

Viel Spaß bei deiner Ausbildung!
Gruß Florian
#5
Hi Florian,

mein Tipp wäre, mit der Bewerbung noch ein kleines bisschen zu warten, zumindest bis kurz vor dem Abitur. Ich kenne dich natürlich nicht persönlich, aber aus meiner Erfahrung ist ein ganz wichtiger Aspekt für das Auswahlverfahren die eigene Reife und ich glaube, dass insbesondere in deinem Alter jedes zusätzliche Lebensjahr einen Unterschied macht. Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung.

Auf die Computertests der Voruntersuchung hab ich mich ausschließlich mit den Übungen, die dir von der DFS bzw. dem DLR bereitgestellt werden, vorbereitet. Jeden Test hab ich, je nachdem wie leicht er mir gefallen ist, mal mehr mal weniger oft geübt. Da bin ich weitestgehend meinem Gefühl gefolgt, wobei mir z.B. der Test für das visuelle Gedächtnis bei den Übungen sehr schwer gefallen ist (wie fast jedem anderen auch^^) und dann in Hamburg erstaunlich gut geklappt hat.
In wie fern Trainingssoftware wie z.B. Skytest hilft, kann ich nicht beurteilen, aber es ist definitiv nicht nötig, um zu bestehen.
Für mich waren auch die tollen Erfahrungsberichte auf fluglotse.com sehr hilfreich, da ich somit ziemlich genau wusste, was auf mich zukommt und mich entsprechend darauf einstellen konnte.

Ich hoffe das hilft dir weiter. Falls ich eine Frage unbeantwortet gelassen habe, lass es mich wissen :)
#6
Zuerst einmal: Vielen Dank für deine Antwort!
Hehe, da hast du die Frage, die ich auch überlegt habe zu stellen, gleich mal beantwortet. Wobei ich dir Recht geben muss: ich habe schon dieses Jahr bemerkt, wie sehr ich herangereift bin und was ich für eine Entwicklung gegenüber den letzten Jahren gemacht habe (bin mittlerweile 17).
Okay, danke für die Info.
Jep, auf fluglotse.com habe ich auch schon ein zwei Berichte gelesen, bei denen ausführlich auf die Tests eingegangen wurde. Trotzdem danke!
Und ob mir das weitergeholfen hat. Werde ich machen, im Moment habe ich aber keine offenen Fragen. :)

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